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Auch Meister machen Fehler

Jeder Marathonanfänger weiß, dass er niemals mit neuen Schuhen laufen sollte, also einen Marathon

Letzten Sonntag in Berlin, der spätere Gesamtsieger verzieht keine Miene, als ihm nach etwas mehr als der Hälfte der Renndistanz beide Innensohlen aus den Schuhen hervorlugen, um schließlich beinahe vollständig herauszuhängen. Ob es nun stimmt oder nicht, sei dahingestellt, die Symbolik ist das, was zählt. Es geht um Tony Martin, den deutschen Super-Zeitfahrer und generell Super-Radrennfahrer, der angeblich vor dem Zeitfahren der gerade stattgefunden habenden Weltmeisterschaften in Richmond seinen Sattel mit Schmirgelpapier bearbeitet haben soll. Dies zu welchem Zwecke? Wohl damit er besseren Grip mit seiner Radhose, respektive seinem Zeitfahranzug, auf dem Sattel hatte. Oder eben nicht. Denn die Hose begann zu scheuern, irgendwann soll sie dann ganz kaputt und Martins Allerwertester vollkommen offen gewesen sein. Ob dies nun eine Zeitungsente und das dazu passende Foto bloß Fake war, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden.

Beide Szenarien sind eigentlich irgendwie irreal, unvorstellbar. Auf der einen Seite käme wohl kaum ein Hobbyradfahrer auf die Idee, seinen Sattel abzuschmirgeln, um ihn rauer und damit griffiger zu machen – Tony Martin macht dies (angeblich) just vor einem seiner wichtigsten Rennen seiner Karriere – und scheitert letztendlich, wird nur Siebenter. Eliud Kipchoge gewinnt den Berlin-Marathon zwar ganz deutlich, bleibt nicht allzu weit vom Weltrekord entfernt, muss in etwa zehn Kilometer alleine laufen, was ihn sicher nicht schneller gemacht hat; UND er hat dieses Handicap mit den Schuhsohlen; und auch das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wie kann es überhaupt sein, dass sich Innensohlen während des Laufens durch die wahrlich nicht riesigen Zwischenräume zwischen den eigenen Sohlen und dem restlichen Schuhmaterial ihre Wege nach draußen bahnen?  Die Vermutung liegt nahe, dass der Lauf-Superstar diesen Schuh noch nicht allzu oft angehabt hat in der Vorbereitung, sonst hätte er doch wissen müssen, dass da etwas nicht ganz so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Jeder Marathonanfänger weiß, dass er niemals mit neuen Schuhen laufen sollte, also einen Marathon. Jedem Sportanfänger sagt man, dass er bei einem Wettkampf überhaupt nichts Neues ausprobieren sollte, außer, er sieht den Wettkampf nur als Trainingswettkampf an. Also weder von der Ernährungsseite her, noch von der Ausrüstung, noch vom Training an den Tagen davor, usw.

Und dann schaust du dir TV-Übertragungen an und siehst selbst Superstars Fehler machen, die zum Haare raufen sind. Beziehungsweise, du siehst die Konsequenzen der Fehler, die sie offensichtlich oder – im Falle Martins – vermeintlich davor begangen haben. Was lernen wir gemeinen Hobbysportler daraus? Planung ist gut, Vorbereitung ist gut, sich mit dem Wettkampf auseinandersetzen ist gut. Aber man kann schlicht und einfach nicht alles planen. Selbst Weltklasseathleten passieren ganz menschliche Fehler. Der eine lässt sich dadurch aus der Fassung bringen, der andere nicht, der eine gewinnt trotzdem mit einer Mörderzeit, der andere wird Siebenter und schiebt aber im Interview genau gar nichts ab auf diese angebliche Schmirglerei, sondern ist einfach nur enttäuscht. Und so sollte es auch der Hobbyathlet halten: Natürlich sollten Rennszenarien ausgemalt werden im Kopfe; natürlich sollte man eine Strategie verfolgen; aber das Spannende am Sport, am Leben generell, ist ja eben, dass man nicht in die Zukunft schauen kann, dass man nicht wissen kann, was GENAU einen erwartet; aber wie man damit während des Wettkampfs und danach umgeht, DAS kann man sehr wohl lernen. Und dafür sind sowohl Tony Martin als auch Eliud Kipchoge suptertolle Vorbilder.

Link: www.maxfunsports.com

29.09.2015, 12:00:00
Foto: MaxFun Sports
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