MaxFun Sports Laufsport Magazin

BFR-Training

Blood Flow Restriction Training

Die „neue“ Krafttrainingsform, die eigentlich zwar nicht uralt, aber wenigstens alt ist, befindet sich momentan in aller Munde. Um den in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wiederkehrenden neuartigen Fitnesstrends Genüge zu tun, hat man jetzt das „Blood Flow Restriction Training“ (BFR-Training) genauer unter die Lupe genommen. Oder man bewirbt es bzw., man versucht, seine Utensilien, die es dazu braucht, zu bewerben.

Angefangen hat alles im Jahre 1966, als ein japanischer Student die Gemeinsamkeiten zwischen eingeschlafenen Gliedern und dem Gefühl nach einem harten Trainingssatz herausgefunden haben möchte. Doch schon diese seine Schlussfolgerung erweckt – gelinde ausgedrückt – ein klitzekleines Stirnrunzeln, denn bislang war der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt, dass einschlafende oder eingeschlafene Arme, Hände, Beine oder sonstige Körperteile zu übermäßiger Hypertrophie neigten…was aber durch Abbinden an den richtigen Stellen in Kombination mit nicht allzu intensivem Krafttraining der Fall sein soll. Um es vorwegzunehmen: Dies soll keine Werbung dieser eben nicht mehr neuartigen Trainingsform sein, es ist vielmehr so, dass auch oder gerade der trainierende Mensch zu reflektiertem und kritischem Verhalten aufgefordert werden sollte; dass auch oder gerade der eben nicht einfach alles, was irgendwo zu lesen ist, nachmachen sollte.

Worum geht es überhaupt? Durch mehr oder weniger festes Abbinden – diese Trainingsmethode ist 1994 unter dem Namen „Kaatsu-Training“ patentiert worden, z. B. im Bereich Schultern/Oberarme und moderates „Pumpen“ (20, 30 Wiederholungen oder bis zum Muskelversagen, Intensität zwischen 20 und 50% des Ein-Wiederholungsmaximums) soll der Körper dazu angeregt werden, über alle Maßen hinaus zu adaptieren. Was wissenschaftlich freilich in keinster Weise nachgewiesen wurde bislang, aber was nicht ist, kann noch werden. Hypertrophie (also Muskelwachstum) erreicht man normalerweise mit 8-15 Wiederholungen und entsprechendem Gewicht (wenn du dir also beispielsweise 10 Wiederholungen vornimmst, sollte keine 11. mehr drinnen sein…), Satzzahlen variieren aufgrund des Leistungsstandes, des Trainingsziels und etwa der trainierten Muskelgruppe…mit entsprechend langen Pausen, in denen sich vor allem die Kreatinphosphatspeicher wieder füllen können, dauert ein solch „herkömmliches“ Training natürlich recht lange. Im Vergleich dazu soll mit dem „Kaatsu-Training“, das nicht nur auch BFR-Training heißt, sondern noch ein paar andere Namen trägt – wahrscheinlich kommen aufgrund der Sommer-Wiederbelebungsdiskussion noch ein paar hinzu – wesentlich schneller Erfolg erzielt werden; weniger als eine halbe Stunde Training genügt angeblich – die Frage ist nur, wem, wann und zum Trainieren welcher Muskelgruppe(n)…

Was unter dem Strich übrigbleibt, scheint ernüchternd: Wer nicht auf medizinische Behelfe wie einen Venenstauer zurückgreifen will, sich mit den üblichen Powerlifting Kniebandagen schwertut, kann auch übers Netz direkt aus Japan beziehen; 300-400 Euro sind da allerdings zu berappen, und das alles dafür, dass ein solches Training so ungefährlich nicht ist; wer sich nicht genau auskennt, wo er seine Bandagen platzieren muss und wie fest er sie zuzurren soll und wie lange er sie an der hoffentlich richtigen Stelle platziert zu haben hat und wie viele Wiederholungen bei welcher Intensität er wirklich machen sollte, der tut besser daran, seine Hypertrophie auf herkömmlichem Wege zu bewerkstelligen. Wunder gibt´s nur wenige auf dieser Welt; und (fast) immer, wenn einem versprochen wird, dass man in ganz kurzer Zeit ganz viel Erfolg hat, wenn man nur, ja, wenn man nur dieses und jenes kauft, dann sollte man schon wissen, was es geschlagen hat, vor allem, wenn man sein Gehirn einsetzt, ein bisschen wenigstens…

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03.10.2015, 18:00:00
Foto: MaxFun Sports
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