MaxFun Sports Laufsport Magazin

Orientierungslos

Wenn man sich einmal verlaufen sollte

Wissenschaftlich fundiert oder statistisch festgehalten dürfte die Sache mit dem „sich verlaufen/verfahren/verschwommen haben“ nicht sein, Faktum ist, dass so etwas doch öfter passieren dürfte, als man denkt. Daher gibt es bei vielen Multifunktionscomputern am Handgelenk die "Brotkrümelfunktion". Selbige leitet einen sicher wieder dorthin zurück, wo man hergekommen ist. Viele verzichten aber darauf, weil sie so etwas einfach nicht brauchen, sie waren bei den Pfadfindern, kennen sich besser mit den Sternen und deren Bildern aus, haben einen unfehlbaren Orientierungssinn einfach im Blut. Oder aber ihnen ist es schlicht egal, ob sie ein paar Extra-Kilometer runterspulen oder nicht.

Ganz so einafch ist es natürlich nicht. Was macht man wirklich, wenn man sich – beispielsweise in unbekanntem Gelände mitten am Berg – komplett verirrt hat? Zum einen ist es dort, wo alles wirklich gefährlich werden könnte, ratsam, wenn man vor dem Tourstart ein paar Leuten (Ortsansässigen, Verwandten, Freunden) sagt, was man genau vorhat. Wer eine Ein-/Zwei-/Mehrtagestour im Gebirge plant (lauf-/klettermäßig), sollte die Route davor anderen „verraten“ und sich mit selbigen auch ausmachen, dass man sich ab und an von verschiedenen Punkten aus meldet. Geschieht das nicht bis zu einem bestimmten ebenfalls vorher abgemachten Zeitpunkt, verständigen die anderen die Bergrettung. Ein Ersatzladegerät fürs Handy, diverse Informationen, ob man auf gewissen Abschnitten der Route überhaupt Empfang hat, Telefonnummern von Hüttenwirten (und ob die Hütten dieser Wirte überhaupt bewirtschaftet/“belebt“ sind momentan), all das ist essentiell und im Notfall von großem Vorteil. Ebenso wie eine Stirnlampe, Ersatzbatterien oder Ersatzakku, genügend Gewand und generell passende Ausrüstung etc. Sonst ist man nicht der erste Trailrunner, der irgendwo am Klettersteig nicht mehr vor und zurück weiß und völlig verzweifelt auf Hilfe wartet. Besser ist es klarerweise, wenn man nicht allein unterwegs ist am schroffen Fels, aber das ist nicht immer machbar.

Wenn aus 60 km 110 km werden
So extrem muss Verlaufen natürlich nicht immer ausgehen, es genügt bereits, wenn der Trainingspartner sagt, er kenne eine nette 60-km-Rad-Runde und man kommt nach 110 km drauf, dass er unmöglich diese Runde gemeint haben kann, sondern eben irgendeine 60-km-Runde. Wenn man dann noch darauf hinweist, dass die Hauptstadt von Oberösterreich so weit nicht mehr entfernt ist und man aber doch eigentlich nach Obertauern zurück muss, wird die Verzweiflung groß, vor allem wenn einem am leider nur 12-speichigen Hinterrad eine Verbindung zwischen Achse und Felge reißt, man die hintere Bremse aufmachen und den ganzen Weg zurück (also noch einen 110er) im Stehen fahren muss.

Der Autor dieser Zeilen spricht aus Erfahrung. Gelernt hat er übrigens nichts daraus, immer wieder „wusste“ sein Trainingskollege den Weg, ohne auch nur den blassesten Schimmer von eben Erwähntem haben zu können. So passierte es beispielsweise auch am Hochschwab. Man war bereits drei Stunden gelaufen (ja, GELAUFEN, und das nicht zu langsam), stand oben, nahm der Kollege die Karte heraus (es gab noch keine Brotkrümelfunktion oder Ähnliches), der Sturm riss ihm selbige brutal aus der Hand, man musste sich für einen Weg entscheiden, nahm den falschen, kam nach 4 Laufstunden exakt auf der anderen Seite des Berges an, und zwar unten, musste nur 30 km auf der Straße zum Auto zurücklaufen. Seit damals war es dem Schreiber dann egal gewesen, ob er sich irgendwo um ein paar Kilometer verfranzt hatte oder nicht, und ganz ehrlich, wenn man nicht gerade für die Olympischen Spiele und daher ganz exakt trainiert, sind ein paar Extrastunden Training doch egal, oder? Nimm dir ein paar Gummibärchen und ein paar Euro mit, so wird sogar der Sonntagszehner zum Erlebnis. 

Link: www.maxfunsports.com

31.10.2018, 10:00:00
Foto: pixabay.com
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